VETART-Kunstforum live am Weissensee!

In diesem schönen Kärntner Naturpark am “Lacus Albus” trafen sich die Mitglieder der ÖVA- Österreichische Vereinigung der Amtstierärztinnen und Amtstierärzte zu ihrer diesjährigen Tagung, mitten in einer inspirierenden Grünland-Region (frei nach Friedrich Nitsche: “Alle Probleme liegen so ruhig, wie die Kühe auf der Weide!”). Das Leben steht hier im Einklang mit einer entlegenen Naturlandschaft als fast antiseptischer Ort; man ist aber auch den Naturgewalten direkt ausgeliefert!

Hier wird noch die alte Kultur der Transhumanz gelebt, wo Hirten im Frühjahr mit ihren Herden über Gebirge in andere Welten ziehen, um erst im Herbst wieder zurückzukommen. Das VETART-Kunstforum pflegt seine “kulturelle Transhumanz” insofern, da es sich als Kulturfolger der ÖVA-Tagungen über Jahre etabliert hat.

Auch wir Tierärztinnen und Tierärzte sind aufgerufen und berufen, die Natur und Kultur zu schützen, die uns umgibt. Wir haben die Naturgesetze erforscht, mit denen wir im Einklang leben müssen um uns vor ihren Gefahren zu schützen, die auch Seuchen einschließen. Die Leistungen der Medizin haben uns seit der Aufklärungszeit eine positive Entwicklung beschert.

Die Ästhetik von Seuchen, d.h. deren Wahrnehmung ist heute durchaus unterschiedlich: Wurden früher veterinärrechtliche, hygienische oder handelseinschränkende Maßnahmen von den Rechtsunterworfenen problemlos zur Kenntnis genommen, so werden heute zunehmend wissenschaftliche Errungenschaften in Frage gestellt, indem Gruppen von Menschen das Vorkommen von Keimen mit schweren Krankheiten und Todesfolgen, den Erfolg von Bekämpfungsmaßnahmen oder den Impferfolg nicht anerkennen, nicht nutzen oder gar leugnen, obwohl es dazu ausreichende Evidenzen gibt. Wir kennen heute die naturgesetzlichen Mechanismen so gut, dass wir dagegen auch wirksame Biosicherheits-, Hygiene- und Impfmaßnahmen präventiv einsetzen können. Ob PRRS, BTV, AI, ASP, MKS, sowie andere “alte und neue Bekannte” - sie sind auf dem Vormarsch und fordern uns ständig heraus!

Die Rolle des VETART-Kunstforum ist es hier, disruptive Interventionen zu setzen: Wir “infizieren und entzünden”  das heutige Fachpublikum mit einem künstlerischen Schöpfungspotential, das immun machen soll gegen Fehleinschätzungen! Von den ausgestellten Kunstwerken werden wir emotional in allen fünf kreativ-medizinischen Entzündungsmerkmalen berührt, die da sind:

l RUBOR/Rötung: Die Aufmerksamkeit wird erhöht, der Stresspegel steigt an, Unsicherheit kommt auf, verbrannte Oberflächen werden sichtbar.

l CALOR/Wärme: Wir erwärmen uns für neue kreative Schöpfungen, finden sie angenehm; die IKT steigt, wenn ich mich berührt fühle, der Puls steigt.

l DOLOR/Schmerz: Es folgt eine kritische Auseinandersetzung, die manchmal weh tut. Die Wahrheit in einem Kunstwerk zu erkennen, kann eine schmerzhafte Realität sein.

l TUMOR/Anschwellung: Der Geist proliferiert, breitet sich unkontrolliert aus und führt zu gesellschaftlichen Diskussionen. Wir sind ausser Kontrolle, es entsteht eine mentale Blase, die sich pathologisch ausdifferenziert.

l FUNKTIOLAESA/Funktionsstörung: Eine Wunde, die geheilt werden muss durch Selbstkorrektur, Erfahrungen, Beratung, Therapien (“Kunst auf Krankenschein” wurde in Vorarlberg bereits eingeführt).

Nach Peter Weibel beschauten wir dazu wieder eine Vielzahl an Werken, die bisher unbeschaut (da neu) waren, und lassen uns von ihnen gerne entzünden:

Armin Deutz hat in den den letzten Jahrzehnten ein Gesamtwerk geschaffen und einen neuen Wissens- und Reflexionsstand zur (jagdbaren Tier-)Welt erarbeitet, die er auch photographisch abbildet! Er wandelt damit auf den Spuren des ersten großen Naturforschers Alexander von Humboldt!

Peter Wagner, ebenfalls leidenschaftlicher Photograph, entwickelt ständig neue Techniken, setzt sie professionell um und hat einen Blick für interessante Details. Pigmentdrucke, Drucke auf Forexplatten oder Cyanotypien sind seine bevorzugten Techniken, die er am Weissensee ausstellte.

Martin Wagner bildet mit seinen ölschweren, großrahmigen Bildern auf seine abstrahierende Art Menschen aus seinem Umfeld ab, die ihm guttun - und uns gefällt die artophile Form seiner Darstellungen.

Bernhard Steiner ist der kärntner Lokalmatador und ein begeisterter Aquarellmaler, der seine Sehnsuchtsorte an der Adria aufsucht, um uns damit zu beeindrucken.

Was uns eint ist die Arbeit an den Freuden und Wundern des Lebens und seiner Umwelt, mit der wir uns als Tierärztinnen und Tierärzte ständig, direkt, facettenreich und kreativ befassen, und darin auch unsere gesellschaftliche Wertschätzung bzw. Wertschöpfung finden!

KB

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