"Von der Postmoderne zur Gegenwart - Beruf und Berufung!"

Unsere erste VETART-Ausstellung an einer Bezirkshauptmannschaft!

Am Montag, 24.6. 2019 eröffnete das VETART-Kunstforum im Anschluss an die Bezirks-bürgermeisterkonferenz seine Gruppenausstellung an der Bezirkshauptmannschaft Weiz. Von aussen vermutet man im neu renovierten Gebäude eher ein Kunsthaus oder eine Galerie als eine Bezirksverwaltungsbehörde, wie auch im Inneren das Stiegenhaus und die Gänge breit und hell und damit perfekt für eine Ausstellung geeignet sind. Nach der Begrüßung von NAbg. Christoph Stark, der anwesenden Bürgermeister des Bezirkes und der Künstler durch den Bezirkshauptmann HR Dr. Rüdiger Taus sprach VETART-Obmann und Kurator Dr. Karl Bauer zur Ausstellungsgestaltung. Dabei hob er die BH als öffentlichen Raum hervor, wo die Bürger von Beamten nach den gültigen Gesetzen der Politiker verwaltet werden. Mit dieser künstlerischen Intervention wird ein Bezug zum Berufsalltag der beamteten Mitarbeiter, der Gemeindeverantwortlichen wie auch der ratsuchenden Bürger im Bezirk hergestellt. Die Herausforderung für die Kuratierung lag darin, sich dem besonderen Ort anzupassen und die Künstler bzw. deren Werke im Kontext zu den Referaten zu hängen.

Nach der Vorstellung des VETART-Kunstforums wurden die Beziehungen der Beamten zur Kunst in den Mittelpunkt gestellt und betont, dass die Kreativität nicht im Widerspruch steht. Sowohl die fachlichen, methodischen, persönlichen, sozialen und auch die kulturellen Kompetenzen verlangen heute viel Empathie und Resilienz im Umgang mit den vorsprechenden Parteien, die auch in den künstlerischen Arbeiten zum Ausdruck kommen. Beamte sind heute keine „josefinischen Mandarine“ (Zitat: Prof. Heindl, Kl. Ztg, 23.6.2019), sondern führen ihren Dienst zum Nutzen derer aus, die ihnen anvertraut sind (n. M.T. Cicero). Die Gesetze müssen aber auch vom Bürger respektiert werden, was aufgrund der hohen Erwartungshaltung der Gesellschaft immer schwieriger wird und zunehmend für Konfliktpotential sorgt. Amtstierärzte werden z.B. in Tierschutzfragen zunehmend zu Zielen eines medialen „Beamten-Bashings“ und ungerechtfertigter Weise zu „Sündenböcken“ gestempelt, obwohl sie nur ihren Erhebungs- und Kontrollaufträgen nachkommen. Deshalb sollten Beamte vermehrt wie Künstler agieren und

  • Gute Performer sein, die es verstehen, ihr Werk und ihre Leistung nach den gesetzlichen Vorgaben in den Mittelpunkt zu stellen um mit Bescheiden, bei Verhandlungen oder als Sachverständige zu überzeugen.
  • Musiker sein, um im Orchester der internen Behördenhierarchie Gleichklang zu erzielen. Dazu braucht es eine Partitur, die schlüssig ist, um eine sinfonische Melodie ans Ohr der Ober- oder Unterbehörden oder deren Rechtsunterworfenen zu bringen.
  • Maler oder Fotographen sein, die das Talent haben, komplexe Abläufe zu visualisieren und damit auf den Punkt zu bringen.
  • Literaten sein, die auch komplexe Zusammenhänge und Sachverhalte so formulieren und verschriftlichen können, dass sie verstanden werden. „Amtsdeutsch“ und „Fachlatein“ haben schon Einzug gehalten, “social media“ sind bereits am Weg!

Die neun ausstellenden Künstler sind:

Hans Wilhelm, Anger bei Weiz, zeigt im Bereich des Personal-, Baustellen-, Waffen- und Strafreferates expressionistische Ölbilder mit kräftigen, bunten Farben. Dargestellt werden Sehnsuchtsorte und Stilleben, die einen niederschwelligen und deeskalierenden Zugang zum Wahren und Schönen vor Eintritt in das entsprechende Referat ermöglichen sollen.

Im Wasser-, Jagd-, Forst- und Tierschutzreferat werden von verst. Helmut Arnez (Pischelsdorf) zum 90. Geburtstag postmoderne Werke gezeigt, wie das Triptychon „Steinerne Bibel“ nach dem Altar der romanischen Kirche in Schöngrabern im Weinviertel, wo der Höllen-, der Versuchungs- und der Gute Flügel dargestellt werden, die die persönliche Stimmung vor dem Anklopfen an die Referatstür abwägen lassen. Auch Motive aus dem Bezirk Weiz heben die regionale Bedeutung und Ausstrahlung des Malers hervor. Dazu stellt Karin Kogler (Groll) aus Feldbach versöhnliche, virtuose und großformatige Katzenportraits den einschlägigen Referaten gegenüber.

Das Gemeinde-, Veterinär- und Sozialreferat ist mit (Acrylcollagen und Aquarell-) Werken der Damen Elisabeth Wagner (Wien), Beatrix Leitold (Burgenland) und Sylvia Kölbl (NÖ) bestückt. Die dabei vertretenen Positionen reichen von abstrakten Farbbildern über gesellschaftliche Einflüsse bis zu realen Wahrnehmungen im steirischen Weinland und Kontrasten zwischen Kalt und Heiß. Damit wird auch Bezug genommen auf die Verweib-lichung des Berufsstandes und die Verknappung in der Nutztierpraxis, wie eine aktuelle IHS-Studie zeigt. Die enge lokale Verbindung von Veterinär- und Sozialreferat ist zukunfts-weisend, da heute, wie uns aktuelle Tierschutzfälle zeigen, zuvor oft die Betreuungszeit für Tiere wie auch die Sozialkontakte zu Nachbarn und im Dorf verloren gehen.

Günther Haider, Gleisdorf, stellt in der Chefetage seine Skulpturen „Harmonie“ und „Denis“, den sandsteinernen Katzenkopf aus, der wie ein altägyptischer Katzengott den Aufzug vor ungebetenen Besuchern bewacht. Daneben auch ein Mehrschichtenbild aus der griechischen Mythologie, wo es um den Kampf der Kentauren geht. Die Bilder von verst. Karl Karasek (Obertrum, Slzbg.) erweisen dem Bezirk Weiz seine Referenz und zeigen Rinderherden aus Salzburg, wie sie auch für das größte zusammenhängende Almgebiet, die Teichalm im Weizer Bergland, typisch sind. Von Heinz Strahl, dem „Hendlmaler“ aus Premstätten, sieht man großformatige Hühnerportraits wie auch einen Adlerkopf, der über dem Hause wacht, sowie Bilder von friedlichen Freilandhühnergruppen als humorvolle Narrative für menschliche Verhaltensweisen.

Insgesamt fünf Weizer Künstler gehen im heurigen Jahr in Pension, dh. „vom Beruf zur Berufung“. – Was für die Kunst ein Gewinn, ist für den aktiven Berufsstand ein herber Verlust, da die tierärztliche Versorgungsproblematik damit weiter verschärft wird.

Die sehenswerte Ausstellung dehnt sich über vier Stockwerke aus und ist noch bis 6. September zu den Öffnungszeiten zwischen 08:00 – 15:00 Uhr zu sehen! Zur Ausstellung ist auch eine Künstlerbroschüre erschienen.

KB

Fotocredits: VETART

Das VETART-Kunstforum hat nun einen neuen Künstlerkatalog aller bisherigen, im „vetjournal“ erschienenen Künstlerportraits aufgelegt! Er ist für Mitglieder gratis und gegen eine freiwillige Spende auch frei zu beziehen über E-mail.: vetart@vetmeduni.ac.at!

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