Welt in Bewegung - Tiere in Bewegung!

Das Motto der diesjährigen NÖ-Landesausstellung 2019 in Wiener Neustadt „Welt in Bewegung“ könnte nicht aktueller sein, da sich die Welt gerade sehr schnell bewegt und wir Mühe haben, ihr zu folgen. Deshalb hat sich auch das VETART-Kunstforum bewegt, um den Ort der ältesten Militärakademie (MILAK) der Welt mit einer künstlerischen Intervention aufzuladen und Gemeinsamkeiten im Rahmen einer Fachtagung „Tiere in Bewegung“ zu erkunden. Auch das Bundesheer war und ist immer ein Ort der Kultur, der Bildung und Bewegung, an dem wir viele innovative Anknüpfungspunkte finden:

1.   Kultur und Bildung sind untrennbar miteinander verbunden, die Fähigkeit zur umfassenden Reflexion macht das Menschsein erst aus.

2.   Der Arbeit in der Kunst wird ohnehin immer zugebilligt, die Gesellschaft in Schwung und dadurch munter halten zu müssen.

3.   Es betrifft unsere Arbeit als Tierärzte, da sich im Beruf – den wir auch im Bundesheer engagiert ausüben - sehr viel bewegt. Lebensbegleitendes Lernen und kreatives Denken sind dabei unabdingbar!

4.   Und auch das Bundesheer muss die Bewegung zu Lande und in der Luft vor dem Hintergrund der budgetären Situation aufrechterhalten können. Die Bilder der airpower19 gingen zuletzt um die Welt und bewegten viele Menschen!

5.   Im Institut für Offiziersweiterbildung finden wir den idealen Anknüpfungspunkt, unsere kulturellen Synergien darzustellen.

Die Frage, was eine Kunstausstellung dazu beitragen kann, ist leicht zu beantworten: Obwohl der Mensch seit der Erfindung des Buchdrucks in der Lage ist, Wissen zu dokumentieren, Entwicklungen genauer zu beschreiben, und Abläufe dauerhaft zu vermitteln, prägt sich ein einfaches Bild stärker in unser Gedächtnis ein. Es wird von den zuständigen Gehirnarealen intensiver rezipiert und bedarf keiner zusätzlichen Interpretation. Der tiefere Sinn von Verkehrsschildern, Piktogrammen und Karikaturen wird mit einem Blick reflexartig erkannt, was uns bei der Orientierung hilft, und das Leben einfach und sicher gestaltet.

Der Spruch „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ ist selbst eine plakativ reduzierte Aussage, die auf das schnelle Erfassen komplexer Sachverhalte hinweist und uns als Hilfe zum besseren Verständnis dienen kann. Bilder informieren uns über die Weltgeschehnisse, Bilder werden über social media verbreitet, evtl. aus dem Zusammenhang gerissen, in einen neuen Kontext gestellt, Zerr- und Trugbilder/sogen. Fakes können entstehen. In Videos, Filmen und im Fernsehen werden die Bilder bewegt; in der Werbung zur Verführung zum Kauf benutzt und in der Politik wird damit um Stimmen gebuhlt, sie erzeugen Emotionen.

Als Tierärzte erleichtern uns die moderne bildgebende Diagnostik, die Mikroskopie und Labortests heute, bessere Befunde zu erheben und ein realeres Bild über Krankheiten zu gewinnen. Das Tagungsthema „Tiere in Bewegung“ lieferte uns zuvor sehr viele neue Bilder, die wir erst umsetzen müssen!

Die Bilder von Drohnen und Radaranlagen klären uns heute über die militärische Wirklichkeit auf, beide erweitern unseren Sehsinn und die damit verbundene Wahrnehmung. Umso wichtiger wird dabei das Bestreben, nach der tatsächlichen Wahrheit zu suchen, die richtigen Konsequenzen abzuleiten und damit unsere kleine Welt zu bewegen.

Das VETART-Kunstforum hat sich die Aufgabe gestellt, Sachverhalte und Prozesse bildlich darzustellen, und sie für das Publikum leichter wahrnehmbar zu machen. Bildung, Kunst und Wahrnehmung sind deshalb nicht voneinander zu trennen. Es obliegt unserer Erfahrung, wie wir wahrnehmen, urteilen und danach handeln, wenn wir zB. künstlerische Inhalte aus unserem beruflichen Habitat darstellen wollen: Beispielsweise ein leidendes Tier/ein vermenschlichtes Tier oder ein Tier, das vom Wolf getötet wird? Andere Motive handeln vom engen Bezug zur Natur, von menschlichen Schicksalen und deren Interaktionen oder von Abstraktem. Die Ästhetik, dh. die Wahrnehmung geht bis in sensible Tiefen und Details unserer Lebensbereiche hinein und macht komplexe Sachverhalte erst sichtbar.

Die so erreichte Emotionalität steht oft Widerspruch zum Berufsalltag und versucht, den interessierten Kunstliebhaber auf einer anderen Ebene zu erreichen. Sie läßt sich mit kreativen Techniken optisch pointiert in Szene setzen oder auf das Wesentliche reduzieren. Bildende Künstler (Maler, Bildhauer, Fotografen, …) haben das besondere Talent, Vorgänge zu visualisieren und das Momentum festzuhalten. Die daraus abgeleiteten Interpretationen bewegen uns und die Gesellschaft, die von diesen Bildern nachhaltig geprägt wird. 

Ich bin der Meinung, dass unsere Zukunft auf allen Ebenen noch viel stärker von Bildern geprägt und von technischen Treibern verschiedenster Herkunft unterstützt werden wird. Wir Menschen bewegen und lassen uns bewegen. Wer sich bewegt, lebt, wer sich aber nicht bewegt, wird verlieren. Wir müssen deshalb im umfassenden Sinne flexibel bleiben, um nicht in eine körperliche oder geistige Starre zu verfallen!

Die uns bewegenden, 7 ausstellenden Künstler_innen sind:

Armin Deutz stellt eine Fotoserie von Wildtieren als jagdliche Motive und Schnappschüsse auf Leinwand gedruckt zur Schau.

Christine Gallauner zeigt großformatige, figurale und abstrakte Acrylbilder, die durch ihre besondere Farbzusammenstetzung faszinieren.

Sylvia Kölbl ist bekannt für ihre Pastellzeichnungen und Aquarelle von Tierdarstellungen, denen sie bestimmte inhaltliche Positionen zuordnet.

Peter Wagner stellt als virtuoser Photograph einen Zyklus  von Digitalprints auf Büttenpapier aus, mit denen er bewegende menschliche Schicksale darstellt.

Beatrix Leitold widmet sich dem Thema Pferd und stellt dazu Bilder aus Rohrfedertusche aus. Ergänzend zeigt sie uns Aquarelle vom Golfsport, den sie mit ihrem Mann Mathias ausübt.

Elisabeth Wagner arbeitet traditionell mit Acrylcollagen, Mischtechniken und Aquarellen und ist mit einem neuen Zyklus zur Entwicklung der Menschwerdung vertreten.

Günter Schwarz zeigt uns in einer Vitrine seine einzelgefertigten und historisch exakt nachgebildeten Zinnfiguren zur Reiterei im Militär aus den letzten vier Jahrhunderten.

Zur Eröffnung der Ausstellung sprachen der Präsident der NÖ-Tierärztekammer und Tagungsleiter Dr. Heinz Heistinger sowie Oberst Gerold Prohaska als Vertreter der MILAK ihre Grußworte. Anschließend stellte VETART-Obmann Dr. Karl Bauer die Ausstellung vor. Sie ist noch bis zum 18.10. im Foyer des Institutsgebäudes 2, 1. Stock, während der Dienstzeiten zu sehen. Dazu ist ein Kunstkatalog und eine Ausstellungsbroschüre erschienen, die wie immer von Sylvia Kölbl professionell zusammengestellt wurde!

Ein großer Dank gebührt den ausstellenden und anwesenden Künstler_innen, der MILAK, der ÖTK-NÖ sowie den Sponsoren und dem interessierten Publikum, im Besonderen den Teilnehmern der vorangegangenen Tagung!

KB

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