„Alles fließt“ – Vernissage im Weingut Auer verbindet Kunst, Medizin und Lebensphilosophie!

Tattendorf. – Unter dem Leitmotiv „Alles fließt“ eröffnete am Freitag, dem 6. Februar 2026, im Weingut Familie Auer eine außergewöhnliche Ausstellung, die Kunst, Philosophie und Veterinärmedizin in einen vielschichtigen Dialog bringt. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung und füllten die traditionsreichen Räume des Weinguts mit gespannter Erwartung – und bald auch mit inspirierenden Gesprächen.

Der Titel der Schau greift Heraklits berühmtes „panta rhei“ auf und bildet den roten Faden durch die präsentierten Werke. Der Fluss des Lebens, der Wandel der Zeit und die Bewegung in Natur und Körper werden in vielfältigen künstlerischen Positionen sichtbar. Wein, Wasser, Emotionen, aber auch Blut als zentrales Element der Veterinärmedizin werden zu Metaphern für Veränderung, Vitalität und das ständige Werden und Vergehen.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von vier Künstlerinnen, die zugleich Veterinärmedizinerinnen sind:
Dr. Sabine Kofler-Michaelis, Dr. Sylvia Kölbl, Dr. Margit Strohmaier und Dr. Elisabeth Wagner. Gemeinsam eröffnen sie einen Raum, in dem Beständigkeit und Veränderung, Augenblick und Ewigkeit einander berühren.

Strukturen wie von Wind und Wasser geformt – Sabine Kofler-Michaelis

Die in Hannover geborene Tierärztin und heutige Chefredakteurin von NEWS 4 VETS zeigt kraftvolle Landschaften, die mit Sand, Pigmenten und Gesteinsmehlen gearbeitet sind. Diese Materialien verleihen ihren Bildern eine reliefartige Oberfläche, die wirkt, als hätte die Natur selbst daran mitgearbeitet.

Ihre Werke – vom türkisfarbenen Attersee bis zu einsamen Buchten – erzählen von Stille, Weite und dem ständigen Wandel der Elemente. Kofler-Michaelis, die seit ihrer Jugend malt, hat eine Technik entwickelt, die Wasser, Wind und Licht nicht nur darstellt, sondern fühlbar macht.

Aquarelle voller Bewegung und feiner Stimmungen – Sylvia Kölbl

Die Virologin Dr. Sylvia Kölbl blickt auf eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere zurück – und auf über 900 künstlerische Arbeiten. Ihre bevorzugten Techniken reichen von Aquarell und Pastell bis zu früheren Arbeiten in Tusche und Emaillack.

In Tattendorf zeigt sie fließende Wasserlandschaften, stille Wintermomente und Naturbeobachtungen, die von großer Sensibilität geprägt sind. Ob „Novemberlicht flussabwärts“ oder die arktische Schirmqualle – ihre Bilder tragen eine ruhige, poetische Bewegung in sich, die das Motto der Ausstellung unmittelbar spürbar macht.

Acrylbilder mit Humor, Wärme und erzählerischer Kraft – Margit Strohmaier

Kuratorin Dr. Margit Strohmaier, seit über zehn Jahren in Tattendorf zuhause, präsentiert zugleich eigene Werke. Die Veterinärmedizinerin, die beruflich in der Tierernährung und später in der Industrie tätig war, fand während der Corona-Jahre zur Kunst zurück und arbeitet heute vorwiegend mit Acrylfarben.

Ihre Bilder – vom neugierigen Esel über den Donauwaller bis zu Islandpferden mit Charakter – verbinden Präzision mit Leichtigkeit. Strohmaier gelingt es, kleine Alltagsmomente in farbige Geschichten zu verwandeln, die ein Lächeln auslösen und zugleich das Fließen von Emotionen, Erinnerungen und Zeit sichtbar machen.

Materialvielfalt und experimentelle Zugänge – Elisabeth Wagner

Die Grazer Veterinärmedizinerin Dr. Elisabeth Wagner bringt eine völlig andere künstlerische Handschrift ein. Ihr Werk ist geprägt von Materialexperimenten: Perlen, Knochen, Stoffe, Glas, Metall, Papier, Ton – kaum ein Medium, das sie nicht in ihre Arbeiten integriert. Ergänzt wird dies durch Aktionsmalerei in Acryl und Schmuckgestaltung.

In der Ausstellung zeigt sie Acrylcollagen und farbintensive Stillleben, in denen Wein, Trauben, Gläser oder Seifenblasen zu Sinnbildern des Fließens werden. Ihre Arbeiten wirken spielerisch und zugleich präzise – ein Ausdruck jener täglichen kreativen Momente, die für sie Quelle von Energie und Inspiration sind.

Ein Abend voller Austausch und Atmosphäre

Nach der Eröffnung lud das Weingut Auer zu einem Glas Wein ein – ein stimmiger Rahmen, denn zwischen den Regalen voller Flaschen unterschiedlichster Rebsorten und Jahrgänge setzte sich das Ausstellungsthema fort. Die Vielfalt der Weine spiegelte das Fließen von Zeit, Terroir und Tradition wider. Zugleich entstand eine Atmosphäre, die an ein Klassentreffen erinnerte: Viele Besucherinnen und Besucher aus der veterinärmedizinischen Branche hatten einander seit Jahren nicht gesehen, und so mischten sich Wiedersehensfreude, herzliche Umarmungen und lebhafte Gespräche unter die Kunst. Zwischen den Flaschen, Bildern und Erinnerungen floss an diesem Abend nicht nur der Wein, sondern auch ein Gefühl von Verbundenheit, das weit über die Ausstellung hinausreichte.

Die Ausstellung ist bis 20. April 2026 während der Geschäftszeiten des Weinguts zu sehen. Eine zusätzliche Führung findet am 13. Februar 2026 um 18:00 Uhr statt.

Hinter der Veranstaltung steht das VETART-Kunstforum, 2013 an der Vetmeduni Wien gegründet, das veterinärmedizinisch tätigen Kunstschaffenden eine Plattform bietet. In Tattendorf zeigt sich eindrucksvoll, wie fruchtbar diese Verbindung von Wissenschaft, Praxis und Kunst sein kann!

Margit Strohmaier

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